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Opernquiz für die (Krisen-)Zeit zu Hause

Alle Fragen beziehen sich auf die 42 Opern, die im Zuge der Opernworkshop präsentiert wurden (siehe Liste anbei).

Manches wirst du vielleicht wissen, das meiste wird wohl ein bisschen Recherche brauchen (schließlich geht es ja auch darum, die Zeitzu Hause während der Corona-Krise sinnvoll zu verbringen) und jedenfalls sollen dieFragen auch dazu einladen, das eine oder andere nachzuhören (Youtube macht’smöglich).

Also, los geht’s:

  1. Kein Zweifel: Gesungen wird viel in der Oper, manchmal singen die Figuren auch in ihren Rollen Lieder. Und diese können durchaus amüsante Titel haben. Wer singt etwa das Lied vom Enterich? Dramatischer ist da schon das Lied, das eine junge Frau kurz vor ihrem Tod singt, das angeblich eine Magd gesungen habe und das sich an eine Pflanze richtet. An welche? Und weil wir gerade bei der Botanik sind: Auch in einer sehr bekannten frühen Arie wird eine Pflanze besungen, nämlich eine Schatten spendende. Welcher Herrscher besingt da welchen Baum und in welcher musikalischen Form?

Antwort 1: Das Lied vom Enterich wird von der Schankwirtin in „Boris Gudonow“ gesungen, wobei in der Szene einige Lieder vorgetragen werden. Wenger lustig als berührend ist das Lied von der Weide, das Desdemona in Verdis „Otello“ singt, bevor sie von ihrem eifersüchtigen Gatten getötet wird. Und Händels Serse (Xerxes) besingt in seiner Auftrittsarie, im berühmten Largo, eine Platane.

 

  1. Ein Lied steht auch im Zentrum von „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold. Die erste Frage liegt natürlich auf der Hand: Um welche Stadt handelt es sich? Berühmt geworden ist eben dieses Lied daraus – die, wie vielfach behauptet wird, „letzte Melodie in der deutschen Oper“. Wie heißt dieses Lied? Wobei Korngold ein bisschen schummelt, denn auf der Bühne begleitet sich die Sängerin mit nur einem Instrument. Mit welchem? Und welche Instrumente sind im Orchester tatsächlich vorrangig zu hören?

Antwort 2: Brügge ist die Stadt, in der Paul seiner verstorbenen Frau nachtrauert. Als Marietta auftaucht, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht, stimmt sie „Glück, das mir verblieb“ an. Dazu begleitet sie sich und ihn mit einer Laute, die im Orchestergraben aber von einer Harfe wiedergegeben wird. Dazu hören wir die gesamte Streicherabteilung, Klarinetten, Oboen, Querflöten und Hörner.

 

  1. Ähnlich wie Korngold war auch einer der Großmeister des 19. Jahrhunderts, Giacomo Meyerbeer, lange vergessen und erfährt erst jetzt eine Renaissance. Wir haben eine Oper von ihm im ersten Zyklus gehört, in der Sektierertum und Bauernaufstände thematisiert werden. Darin kommt eine berühmte Ballettnummer vor, in der ein Sport betrieben wird, der auch zur Musik passt. Welcher? Bei Ballett stellt sich natürlich die Frage, in welchem Takt diese Nummer steht bzw. um welchen Tanz es sich handelt (da sich mehrere Nummern aneinanderreihen, reicht der erste, bekannteste). Eine ganz andere Sportart stellt Benjamin Britten in einem seiner Werke dar, nämlich den klassischen Fünfkampf. Wer gewinnt ihn in seiner Oper?

Antwort 3: Auf dem zugefrorenen See kommen die Menschen, um eiszulaufen, was damals großen Effekt machte. Und was eignet sich dazu besser als ein Walzer? Während bei Meyerbeers „Der Prophet“ die Szene jedoch eher als Dekoration dient, hat bei Brittens „Tod in Venedig“ der Fünfkampf eine symbolische Wirkung: Der angehimmelte schöne Tadzio besiegt in der Phantasie Aschenbachs seine Gegner im Fünfkampf.

 

  1. Tanzen ist ja auch eine Art von Sport. Manchmal wird zwar nicht wirklich getanzt, aber zumindest der Rhythmus ist klar erkennbar. Eine der meistgespielten Opern ist „La Bohème“ von Giacomo Puccini. Im zweiten Bild sehen wir das Weihnachtsfest auf den Straßen und Cafés von Paris, dabei dominiert ein Walzer die Musik. Wer singt ihn und warum? Während die Vertonung des gleichen Stoffs durch Ruggiero Leoncavallo nie eine ähnliche Berühmtheit erlangte, hält sich die alternative Vertonung des Stoffs der ersten Erfolgsoper Puccinis gleichwertig im Repertoire. Wodurch unterscheiden sich die Titel? Wir hatten die französische Version im Programm, wo ebenfalls auf der Straße gefeiert wird, doch werden andere Kaliber aufgefahren: Wer tanzt da auf dem Boulevard?

Antwort 4: Die lebenslustige Musetta singt den Walzer, um ihren ehemaligen Geliebten Marcello eifersüchtig und auf sie aufmerksam zu machen – natürlich mit Erfolg. Der Stoff wurde von Leoncavallo – übrigens viel näher an der Vorlage – ebenfalls vertont, so wie sich auch Jules Massenet des berühmten Romans des Abbé Prevost „Die Geschichte des Chevalier Des Grieux und Manon Lescaut“ annahm. Der Titel seiner Oper beschränkt sich auf den Vornamen der Titelheldin, während Puccini auch ihren Nachnamen nennt, wodurch man „Manon“ und „Manon Lescaut“ leicht auseinanderhalten kann. Sie schwankt ja zwischen der Liebe zum armen Des Grieux und dem luxuriösen Leben. In Massenets Oper lässt ein Verehrer sogar das Corps de Ballet der Pariser Oper auf der Cours-de-la-Reine tanzen, doch sie ist schon längst wieder unterwegs zu ihrem ehemaligen Geliebten, um ihn davon abzuhalten, ins Kloster zu gehen.

 

  1. Und mit Puccini sind wir schon bei den ganz bekannten Komponisten. Zu ihnen zählt auch Alban Berg und sein „Wozzeck“, den wir nicht nur gehört, sondern auch gemeinsam in der Oper gesehen haben. Darin gibt es zwei Wirtshausszenen. Welche Instrumente setzt Berg besonders in der ersten ein, um eine authentische Atmosphäre zu schaffen? Darüber hinaus wird hier ein bekanntes Volkslied zitiert bzw. parodiert. Welches? Das Wirtshaus ist übrigens auch zentraler Ort für eine berühmte Shakespeare-Figur. In der deutschen Vertonung des Stücks (nicht in der bekannten italienischen) singt der Protagonist ein Lied übers Trinken, das in deutschen Gesangsvereinen recht bekannt ist. Wie heißt es?

Antwort 5: Akkordeon und Fidel hört man im Wirtshaus und damit auch bei Berg und damit es recht volksnah klingt, singt ein Chor eine adaptierte Version von „Ein Jäger aus Kurpfalz“. Doch während sich Wozzeck im Wirtshaus wie ein Fremder fühlt und zudem den Treuebruch seiner Marie miterleben muss, fühlt sich Sir John Falstaff im Wirtshaus pudelwohl. In Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ singt er denn auch über seine frühen Trinkerfahrungen: „Als Büblein klein an der Mutterbrust“.

 

  1. A propos große Komponisten: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch ein Richard Wagner hat nicht losgelöst von der Operngeschichte komponiert. Wir hatten eine Oper im Programm, in der es eine Vorläuferarie für die berühmte Ballade der Senta aus dem Fliegenden Holländer Der Name der Oper ist zugleich „der bleiche Mann“, der besungen wird. Wie heißen Oper und Protagonist? Und wie heißt die „Senta“ in dieser Oper? Diese befindet sich zudem in einer prekären Situation, wird ihr doch am Tag ihrer Hochzeit vor den Augen ihres Bräutigams von eben jenem Edelmann offen der Hof gemacht. Diese Situation kennen wir doch aus einer anderen berühmten Oper, die wir gemeinsam gehört haben mit einem der bekanntesten Duette der Opernliteratur. Wie heißt dieses Duett?

Antwort 6: Zu so großer Bekanntheit wie Wagners Oper hat es Marschners „Der Vampir“ nicht gebracht und auch die genannte Arie der Emmy kann es nicht mit der großen Ballade der Senta aufnehmen. Sie ist das zweite Opfer des bleichen Mannes, der bis Mitternacht drei Frauen verführt haben muss, um weiterleben zu dürfen. Und so macht er ihr zum Leidwesen ihres Bräutigams George den Hof. Weniger nötig hat das Don Giovanni, er tut, was er nicht lassen kann, Masetto wird in die Wüste geschickt und er fordert Zerlina auf: „Reich mir die Hand, mein Leben“. Anzumerken ist, dass oft die soziale Dimension dieser Nummer in Vergessenheit gerät: Dass ein Adeliger einem Bauernmädel die Hand reicht, käme heute der Aufforderung eines Jonas Kaufmann gleich, mit ihm ein Duett zu singen.

 

  1. Ja, manche Melodien wie jene kennt jeder, doch Oper ist immer eine Kombination aus Text und Musik. Zugegeben: Nicht alle Opernlibretti sind Meisterwerke, doch einige sind Kostbarkeiten, was nicht verwundert, wenn man in Betracht zieht, welche Autor_innen herangezogen worden sind. „Das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes“ etwa stammt von einem Schriftsteller, der sozusagen indirekt für die Oper gearbeitet hat. Von welchem? Das Werk, aus dem es stammt, wird oft als die „helle Schwester“ bezeichnet. Wir haben auch „die dunkle Schwester“ gehört. Wer das wohl sein mag? In beiden Stücken stellt der Tanz der Protagonistin jedenfalls ein zentrales Element dar, wobei der Tanz der „hellen Schwester“ einen Namen hat. Wie heißt er?

Antwort 7: Richard Strauss hat den gekürzten Text von Oscar Wildes Drama „Salome“ vertont, aus dem das Zitat stammt. Sie, das unschuldige, wenn auch grausame Mädchen, tanzt den Tanz der sieben Schleier, um den Herodes sie bittet und der den Tod des Propheten Jochanaan besiegelt. Dass Salome trotzdem die helle Schwester ist, liegt daran, dass „Elektra“, die Folgeoper, musikalisch und inhaltlich noch einmal düsterer und bar jeder Hoffnung ist. Darin findet sich auch der einzige Ausflug von Strauss ins Atonale. Beide Frauen repräsentieren archetypisch die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

 

  1. Mit dem Dunklen haben wir uns im letzten Zyklus besonders beschäftigt: mit dem Bösen. Dabei sind wir einige Male dem Teufel höchstpersönlich begegnet, konkret in Opern von Carl Maria von Weber, Charles Gounod und Igor Strawinsky. In jeder dieser Werke hat der Teufel einen (anderen) Namen, nämlich welchen? Die vielleicht bekannteste „Teufelsnummer“ ist ein Was wird darin in welcher Oper besungen? Dabei heißt es ja, dass der Teufel nicht singen kann. Vielleicht ist bei Weber das Böse deshalb eine Sprechrolle. Auch das ist nicht neu, denn auch in einem anderen bekannten Werk, das noch früher entstanden ist, darf die zentrale Figur, die sich jedoch letztendlich als viel weniger inhuman erweist als vorerst vermutet, nur sprechen. Um wen handelt es sich dabei?

Antwort 8: Samiel im „Freischütz“, Mephistopheles in „Faust“ und Nick Shadow in „The Rake’s Progress“ steht auf den unterschiedlichen Visitenkarten des Teufels und der bekannteste Name ist natürlich der des bösen Gesellen in Gounods Oper, die in Deutschland übrigens aus Achtung vor Goethe lange unter dem Namen „Margarete“ aufgeführt wurde. Ihm fällt auch die bekannteste Nummer zu, das Rondo vom Goldenen Kalb, in dem er dem die angebliche Scheinheiligkeit des Volkes verhöhnt, knieten doch alle vor dem Geld nieder. Samiel hingegen darf nicht singen. Die Rolle wird manchmal mit bekannten Schauspielern besetzt, was noch viel mehr für den Bassa Selim in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ gilt, der um einiges mehr zu spielen und zu sprechen hat.

 

  1. Sprechende Menschen, singende Tiere. Bei Tieren auf der Opernbühne denken viele an Elefanten in „Aida“ in der Arena di Verona. Doch Walter Braunfels lässt die Sänger und Sängerinnen in „Die Vögel“ im Vogelkleid auftreten. Der als Schöpfer entarteter Musik diffamierte und erst in den letzten Jahren wiederentdeckte Komponist greift darin auf eine der ältesten überlieferten Komödien zurück, doch verschiebt er die Schwerpunkte, etwa hin zu einer Liebesgeschichte. So wird ein großes Duett gesungen, das oft als Reminiszenz an „Tristan und Isolde“ bezeichnet wird. Von welchen Figuren wird dieses Duett gesungen? Zudem ändert er auch das Ende ab: Worin besteht der gravierendste inhaltliche Unterschied zwischen Aristophanes‘ Stück und der Oper? Und welche andere Oper, die nur wenige Jahre später uraufgeführt wurde und die wir im Rahmen von „Im Schatten großer Meisterwerke“, gehört habe, versammelt Tiere auf der Bühne, deren Leben wir parallel zur Welt der Menschen mitverfolgen?

Antwort 9: Es ist die Nachtigall (und nicht die Lerche), die in Braunfelds Oper eine Hauptrolle einnimmt. Ihr ist der schwärmerische Eindringling Hoffegut zugetan und so eröffnen die beiden mit einem Duett den zweiten Akt. Anders als im Drama, an dessen Ende der Sieg der Vögel und die Quasi-Unterwerfung der Götter steht – eine böse Satire auf den Triumph des Mittelmaßes -, endet die Oper mit der Zerstörung von Wolkenkuckucksheim und somit auch mit der Trennung von Nachtigall und Hoffegut. Jedenfalls nutzt der Komponist die Vorlage, um das Gurren und Zwitschern in Töne zu setzen, ganz ähnlich wie Leo Janacek in „Das schlaue Füchslein“, in der wir auch Fröschen, Eulen, Hennen und Libellen begegnen: eine wunderschöne und berührende Parabel über das Werden und Vergehen, den ewigen Kreislauf der Natur.

 

  1. Inhalt, Text, am Ende dieses Quiz kommen wir noch einmal auf die Musik zurück. Ein künstlerischer Kniff wird immer wieder gerne von Komponisten angewendet: Während im Vordergrund die Handlung abläuft, hören wir im Hintergrund Musik aus einem anderen Kontext. In zwei Opern, die auf dem Programm standen, ist das der Chor der Menschen in der Kirche: Einmal treffen sich gleich zu Beginn der deutschen Oper im Vordergrund zwei junge Menschen in der Kirche, da sie sich beim ersten Kennenlernen am Vorabend ineinander verliebt haben, im zweiten Werk aus dem 20. Jahrhundert kommt es während des Gottesdiensts im Hintergrund zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Mann und einer Frau, auf deren Höhepunkt er gewalttägig wird. Wie heißen die beiden Werke? In anderen Fällen wird ein Fenster geöffnet und das Draußen dringt herein. Was hört Violetta Valery als sie im letzten Akt das Fenster öffnet? In einer späteren Oper wird ein Bösewicht vom gegenüberliegenden Haus die Stimme einer gefeierten Sängerin hören. Aus welchem Anlass singt sie?

Antwort 10: Walther von Stolzing lenkt Eva Pogner in der Katharinenkirche vom Gottesdienst ab und beschließt, sich den „Meistersingern von Nürnberg“ anzuschließen, um sie zur Frau zu gewinnen. Richard Wagner lässt den Chor und die Protagonist_innen gleich zu Beginn der Oper singen. Weniger romantisch ist die Begegnung von Peter Grimes mit Ellen Orford in Benjamin Brittens Oper, auch wenn die beiden einander sehr zugetan sind und sie ihn eigentlich vor sich selbst schützen möchte. Auch ihr gegenüber verliert er die Beherrschung. Das Leben hingegen haucht die Kameliendame aus und wie zum Hohn dringt von draußen der Karneval herein, während der böse Polizeipräsident Scarpia das Fenster öffnet, um die gefeierte Sängerin Fiora Tosca zu hören. Sie singt auf einem Empfang der Königin Maria Carolina, was ihre Nähe zum österreichischen Königshaus unterstreicht, wohingegen ja ihr Geliebter Cavaradossi auf Grund seiner Sympathie für Napoleon verfolgt wird.

 

Viel Spaß!

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